Seit ich mit der Digitalen Fotografie angefangen habe, stieg mein Speicherplatzverbrauch enorm an. Und das ist sicherlich nur die Spitze vom Eisberg. Die Kameras bekommen immer mehr Funktionen, die Sensoren werden immer besser und die erzeugte Datenflut immer größer. Ein einfaches Beispiel aus der Praxis: Wo meine Canon EOS 5D pro Aufnahme (RAW-Format) zwischen 13-18 MB Speicherplatz belegte, schlägt nun heute meine 5D Mark III mit 25-35 MB zu. Klingt erst mal wenig, doch bei sagen wir mal 10 MB Differenz pro Aufnahme wird bei 1000 Aufnahmen mal locker 9,7 GB zusätzlicher Speicherplatz verbraucht.
Dazu kommt sicherlich auch noch, daß man einfach viel zu selten sein Fotoarchiv durchforstet und nach zu löschenden Bildern Ausschau hält. Zumindest fühle ich mich gerade beim Schreiben dieses Blogartikels etwas ertappt. Noch besser wäre es sicherlich, wenn man direkt nach dem Kopiervorgang (auf den Rechner) die Bilder aussortiert und nur noch die besten Aufnahmen behält.
Am Ende ging es mir sogar so, daß ich meine Daten auf insgesamt drei Festplatten verteilen musste. Die neusten Fotos waren auf dem iMac abgespeichert, die älteren waren auf einer USB-Festplatte ausgelagert, und wiederum andere Dateien wie Musik und Sonstiges lagen auf einer weiteren ganz anderen USB-Festplatte. Alles in allem nicht gerade intuitiv und das laufende hin- und herschieben der Daten nervte zudem auch noch.
Kurzum, es musste eine Lösung her. Erst überlegte ich, ob ich nicht einfach eine recht preiswerte und größere USB-Festplatte anschaffen soll, doch diesen Gedanken habe ich wieder sehr schnell verworfen. Irgendwann würde ich erneut vor diesem Problem stehen und das wollte ich vermeiden.
Nach reichlicher Überlegung entschied ich mich für einen Netzwerkspeicher (Network Attached Storage, NAS). Die folgenden Vorteile überzeuten mich:
- Einfache Speicherplatzerweiterung durch Hinzufügen von Speichermedien
- Erhöhung der Datensicherheit (z.B. bei Ausfall einer Festplatte)
- Paralleler Zugriff durch mehreren Clients/ Rechner
Gleichzeitig sollte die Lösung bequem sein und so entschied ich mich zur Fertiglösung Synology DiskStation DS413J*. Das NAS-System bekommt man bereits für ca. 300 EUR (also ohne Festplatten). Es vermittelte einen sehr guten Eindruck, sowohl von der Verarbeitung als auch vom Systemaufbau. Doch bei meinen Tests musste ich leider mehrfach feststellen, daß die CPU (Single Core, ARM-Prozessor) während den Schreiboperationen oft am Anschlag war. Trotz GBit-Anbindung lag der Durchsatz durchschnittlich bei nur 60 MB/s (seq. schreibend über AFP). Wem dieser Durchsatz reicht, kann bedenkenlos zugreifen denn in allen anderen Punkten wirkte die Box sehr erwachsen.
Bei einem Vergleich mit dem größeren Bruder der Synology DiskStation DS413* stimmte dann zwar die Performance, doch der Preis von rund 440 EUR war einfach zu heftig.
Leider war ich meinem Ziel also nicht wirklich näher gekommen. Eher kreisten noch mehr Fragezeichen über meinem Kopf und ich musste das Ganze erst mal sacken lassen.
Doch welche Alternativen gab es? Einen anderen Hersteller ausprobieren? Eventuell doch den Preis für die DS413 bezahlen? Oder wieder die Idee mit der größeren USB-Festplatte hervorkramen?
Letztendlich habe ich mich auf ein kleines Experiment eingelassen und mich für ein NAS Marke “Eigenbau” (DIY) entschieden… und ich muss sagen, ich bin begeistert.
Als Hardware kam für mich nur der sehr preiswerte und kompakte HP ProLiant MicroServer N40L* in Frage. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist hier einfach unschlagbar und die Serverhardware bekommt man bereits ab 180-200 EUR. Die Verarbeitungsqualität ist echt gigantisch. Die Hardware ist zudem mehr als durchdacht, alle Teile sind leicht zugänglich und lassen sich einfach auseinander bauen. Auch die übrigen Schrauben sowie das notwendige Werkzeug ist sicher verstaut und im Frontdeckel befestigt. Kurz gesagt: Für einen vollwertigen Server ein richtiges Schnäppchen.
Der Miniserver besitzt ein 4-Bay Hard Drive Enclosure und bietet somit Platz für insgesamt vier SATA Einschub-Festplatten. Die mitgelieferte SATA-Festplatte (250 GB) kann man direkt auf dem Mainboard am internen SATA-Anschluss einstecken und somit problemlos für das Betriebssystem verwenden. Im Inneren des Miniservers arbeitet ein DualCore Prozessor mit 1,5GHz – dieser bietet für mein Einsatzgebiet ausreichend Leistungsreserven.
Ein paar technische Daten:
- AMD Turion II Neo 2x 1,50GHz
- 4x SATA Festplattenrahmen
- eSATA-Anschluss
- 6x USB 2.0
- Gigabit-LAN
- ATI Radeon HD4200 (VGA)
- Formatfaktor: Ultra Micro Tower
- Abmessungen (BxHxT): 21 x 26,7 x 26cm
Als SATA-Festplatten verwende ich die neuen Western Digital WD30EFRX Red 3TB*. Diese sind zum einen sehr leise, stromsparend und vor allem sind sie für den 24×7 Betrieb ausgelegt. Zumal ich bei diesen Festplatten – im Gegensatz zu den WD Green – die Energiesparfunktion selbst steuern kann.
Damit es nicht in eine reine “Bastelarbeit” ausartet, habe ich mich für eine softwarebasierte Komplettlösung entschieden und zwar für das freie OpenMediaVault. Die komplette Feature-Liste findet ihr hier. Klar, man kann auch alles selbst aufsetzen, doch ehrlich gesagt, wollte ich den bequemen Weg gehen.
OpenMediaVault basiert auf Debian Squeeze und kann direkt als ISO-Image installiert werden. Einfacher geht es wirklich nicht. Nach Abschluss der Installation stehen in einer Weboberfläche sämtliche NAS-Einstellmöglichkeiten zur Verfügung. Zwar nicht so bunt wie bei Synology, doch das braucht es meines Erachtens auch gar nicht sein.
Und was ist nun mit der Performance? Bei meiner 1 GBit-Anbindung liegt nun der Durchsatz bei etwa 100-108 MB/s (seq. schreibend über AFP) und das kann sich wirklich sehen lassen. Als Filesystem kommt XFS mit einem Softwareraid 5 und drei SATA-Festplatten zum Einsatz. Netto stehen mir dadurch 5,46 TB zur Verfügung. In der nächsten Zeit muss ich mir wirklich keine Gedanken über fehlenden Speicherplatz machen. Und falls doch, so kann ich jederzeit den Raidverbund um eine weitere Festplatte erweitern.
Doch wie sieht es mit den Stromkosten aus? Je nach verwendeten Zusatzkomponenten (Festplatten, Steckkarten etc.) kommt man im laufenden Betrieb auf ca. 45-55 Watt. Um meine Stromkosten auf ein Minimum zu reduzieren überprüft ein kleines Shellscript mein lokales Netzwerk auf aktive Clients und fährt ansonsten den Server herunter. Mit Hilfe der WOL-Funktion (Wake On LAN) kann ich das System jederzeit und vor allem bequem per Netzwerk wieder hochfahren.
Der Server bietet auch noch zusätzliche Erweiterungsmöglichkeiten, die ich noch gar nicht ausgeschöpft habe. Zum Beispiel könnte man noch für rund 10 EUR eine USB 3.0 Karte einbauen. Oder man könnte die interne Grafikkarte durch eine Steckkarte mit HDMI-Ausgang ersetzen.
Fazit
Mit dem Eigenbau-NAS bin ich mehr als zufrieden. Das einzige was mich in der einen oder andere Situation manchmal stört, ist der leicht höhere Geräuschpegel. Für mich war letztendlich der Preis entscheidend und irgendeine Kröte muss man ja doch immer schlucken.































































